Graue Tage

Kein Sonnenstrahl weit und breit. Seit Tagen schon. Nebelverhangen. Alles zeigt sich in verwaschenen Konturen, wie durch Milchglas. Es scheint fast, als ob die Zeit still stünde.

Schilf im Winter
„Ein kleines Licht“, Pastellkreide

 

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Umwege

Herrlich, was es alles zu entdecken gibt, wenn wir einmal nicht strikt von A nach B auf einer vorgegebenen Route – nur das Ziel vor Augen habend -unterwegs sind, sondern einfach flanieren. Da ein wunderschönes Haustor, dort eine kleine Katze am Fenster, auf der Hausmauer eine interessante Inschrift, Glockengeläut, vollmundige Kirschen im sattesten Rot, der Marienkäfer auf dem Grashalm, Lichterglanz auf dem abendlichen Fluss, Flügelschlag der Möwen, ein penetranter Parfumgeruch, gut gelaunte oder auch angespannte Mitmenschen …

Unser durchgetaktete Alltag lässt uns manchmal vergessen, dass es soviel mehr gibt als nur Organisation, Planung, managen, Timing, Zielorientierung, Karriere, Theorie, Wissenschaft, straight ahead und so weiter und so fort. Fremdbestimmung und Sachzwänge engen uns ein, und die ureigensten Bedürfnisse werden oftmals kleingehalten.

Umwege erweitern die Ortskenntnis. (Kurt Tucholsky)

Ich meine: Der Fülle des Lebens werden wir nur gewahr, wenn wir uns mit allen Sinnen darauf einlassen. Und wenn wir wieder ganzheitlicher wahrnehmenerweitert sich auch unser Spektrum des Agierens.


Heiße Kartoffel. Hot potato.

„Heiße Kartoffel“. So heißt ein Ballspiel, bei dem es darum geht, den Ball, der die „heiße Kartoffel“ darstellt, so schnell wie möglich weiterzugeben, bevor die Musik stoppt. Wer die „heiße Kartoffel“ beim Aus der Musik in der Hand hält, scheidet aus dem Spiel aus. Also versucht jeder, die heiße Kartoffel so schnell wie möglich loszuwerden.

Jene heiße Kartoffel aber, wollte ich auf keinen Fall loswerden. Ich war froh und berührt, sie in meinen Händen halten zu können. Damals. In jener Zeit als ich als Werkstudentin bei windig-nasskalten Temperaturen an einem Marktstand im Freien arbeitete.

Ich sehe das Bild noch deutlich vor mir. Plötzlich stand diese kleine Frau, die ihr Kopftuch stets am Hinterkopf gebunden hatte, und die in einem nahegelegenen Restaurant arbeitete, neben mir und reichte mir mit einem Lächeln eine heiße Kartoffel (die sich angesichts der Kälte angenehm warm anfühlte).  Aah, tat das gut- von den Haar-, bis in die Zehenspitzen. Herzenswärme pur!


 

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(ENGLISH)

„Hot potato“. This is the name of a ball game in which the aim is to pass the ball representing the „hot potato“ as quickly as possible before the music stops. Whoever is holding the „hot potato“ when the music stops is eliminated from the game. So everyone tries to get rid of the hot potato as quickly as possible.

But I didn’t want to get rid of that hot potato. I was happy and touched to be able to hold it in my hands. At that time. In those days when I was working as a student trainee at a market stall outside in windy and wet cold temperatures.

I can still see the picture clearly in front of me. Suddenly this little woman, who always had her headscarf tied to the back of her head, and who worked in a nearby restaurant, stood next to me and handed me a hot potato (which felt pleasantly warm given the cold) with a smile.  Aah, did that feel good- from the tips of my hair, to the tips of my toes. Pure warmth of heart!


Danke für den Besuch! Thanks for stopping by!

Was das Wasser erzählt

Das Leben stellt Fragen, die ich in der Hektik des Alltags oftmals nicht bemerke.

Dann, wenn einschneidende Veränderungen mein Leben in eine neue Richtung lenken, wenn ich ganz auf mich zurückgeworfen bin, erkenne ich die Fragen.  Und die Antworten, die höre ich in der Stille.

Wann hörst du die Fragen und Antworten des Lebens am deutlichsten?


Gedankenstille

© C.Gütl/linienspiel


Schönen Sonntag! 🌹 Have a nice Sunday!

Bruchstücke

ERINNERUNG

Ich habe sie geliebt. Alle beide. Sie, die orange Schultasche aus Leder und sie, die orange Jacke – von der Mama im Halbpatentmuster gestrickt. Alle Jahre wieder, bevorzugt im Oktober, steigen die Erinnerungen an die beiden orangen Lieblinge auf. Leider, leider ist mir ihr Verbleib nicht bekannt.


OKTOBER

Der Morgen noch jung

Nebelschwaden lichten sich

Gold in meiner Hand

 


BEIM JUPITER!

Jupiter- eine oft genannte Gottheit in den Asterix Comics.

Nach volksastrologischem Wissen ist Jupiter der Regent des Donnerstags.

Zur ERINNERUNG (nicht nur für den Donnerstag 😊)

„Geben Sie nie Energie in negative Situationen. Sonst werden Sie automatisch zum Mitspieler.“ (Hammerle, Beatrix: Ein Planet für jeden Tag. S 95)


Oktober-Erinnerung

Phantasielandschaft in Tinte und Tusche


Farbimpuls

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Pulsieren, tropfen, pumpen, fließen, röcheln, stöhnen, explodieren, bewegen, schreien, strotzen, rasen … 

Du fragst dich, was diese Begriffe bedeuten sollen? Nun, es handelt sich um einige meiner Assoziationen zur Farbe Rot (einmal bewusst beschränkt auf die Wortart Verb).

Welche Verben fallen dir spontan zu „Rot“ ein?


In „Die Wunderkammer der Deutschen Sprache“ (herausgegeben von Thomas Böhm und Carsten Pfeiffer) findet sich ein Abschnitt über die Vielfalt der Farbe Rot, und zwar Rottöne von A bis Z. Unter Q etwa ist „Quackelbeerrot“ zu finden. 

Quackelbeerrot. Schon mal gehört oder gelesen? Tatsächlich kannte ich dieses Wort bislang noch gar nicht und hatte also auch keine Vorstellung, um welches Rot es sich in etwa handeln könnte. Das wollte ich nun doch genauer wissen; die Auflösung: Bei der Quackelbeere handelt es sich um die Wacholderbeere. Es dürfte sich wohl um jenes Rot der Beeren des Stech-Wacholders handeln.


Eingang. Durchgang. Ausgang.

DAS TOR

Im Labyrinth der Zeit

rastlos hin und her

kreuz und quer.

Eingang. Durchgang. Ausgang.

Im sanften Licht flackert

schemenhaft ein Tor.

Was steht bevor?

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„Das Tor“, Gouache


Würdest du in einer anderen Zeit leben wollen, sofern es die Möglichkeit gäbe, durch ein Zeitentor zu gehen?

Wenn ja, lieber in der Vergangenheit oder lieber in der Zukunft?

Zug fährt ab!

Bitte einsteigen und Türen schließen. Zug fährt ab!

Wer von uns kennt sie nicht –  die Angst, dass der Zug des Lebens ohne einen abfährt? Und so hetzen wir uns oft selber hinterher, wenn wir meinen: Wer es im Leben zu etwas bringen will, muss schneller als die anderen sein, mehr Ideen haben, bessere Vorschläge bringen, höheren Einsatz zeigen.

Dass man dabei oft selbst auf der Strecke bleibt, wird einem oft erst bewusst, wenn nichts mehr geht. Wenn der Körper streikt, Krankheit einen zum Stillstand zwingt, vielleicht die Seele in schwarz gewandet ist.

In jenen Phasen, in denen wir ganz auf uns zurückgeworfen sind, wird uns oftmals schmerzlich bewusst, dass man Idealen anderer hinterherhechelt oder gar das eigene Leben von anderen bestimmen lässt.

Geboren sein, um die Erwartungen von anderen zu erfüllen?

***

Unsere ökonomisierte Welt hat die Gleichung aufgestellt: Zeit = Geld. Es ist kein Wunder, wenn uns auf der sich immer rasanter drehenden Bühne des (Arbeits-/Wirtschafts-/Alltags-)lebens schwindelig wird, und wir aus der Kurve fallen.


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„Morgenröte. Alles hat seine Zeit.“ Aquarellfarbe, Fineliner, Deckfarbe


Wer langsam geht, kommt auch voran …

„Wer langsam geht kommt auch voran und irgendeinmal an“  – diese Textzeile stammt aus einem Chanson von Gilbert Bécaud. In seinem Lied „Nimm dir doch Zeit“ („Il faut marcher“) bringt er diese Thematik  musikalisch sehr schön zum Ausdruck.

Hier das ganze Lied:

„Nimm Dir doch Zeit, Du hast ja Zeit
ein ganzes Leben lang.
Wer langsam geht kommt auch voran
und irgendeinmal an.

Mancher will rasch und schnell ans Ziel,
doch er verlangt zu viel.
Es irrt der Mensch solang er lebt
und nur vorwärts strebt.

Nimm Dir auch für die Liebe Zeit,
das Schönste was es gibt.
Freu Dich, wenn Du noch lieben kannst
und wenn Dich jemand liebt.

Nimm Dir auch Zeit zum Träumen Zeit;
träumen ist doch so schön.
Da kannst Du gratis zu jeder Zeit
blauen Himmel sehn.

Man rast und rennt sein Leben lang
zum größten Teil vergebens
und eines Tages fragt man dann,
wo bleibt der Sinn des Lebens?

Nimm Dir doch Zeit, Du hast ja Zeit,
schenk sie nicht einfach her;
verlorene Zeit kriegst Du für Geld,
für all Dein Geld nicht mehr.

Drum nimm Dir Zeit und nütz die Zeit,
denn Du lebst einmal nur.
Verpass nicht die Gelegenheit,
nimm Dir Zeit, Zeit, Zeit.“

***

Hast du dein eigenes Tempo gefunden? Kannst du es gut (in deinem Alltag) leben?